Unser Gehirn funktioniert durch elektrische Impulse. Milliarden von Nervenzellen kommunizieren ständig miteinander, um unsere Bewegungen, Gedanken und Gefühle zu steuern. Bei einer Epilepsie ist diese Kommunikation vorübergehend gestört. Man kann es sich wie ein kurzes elektrisches „Gewitter“ oder einen „Kurzschluss“ vorstellen: Eine Gruppe von Nervenzellen entlädt sich plötzlich gleichzeitig und übermäßig stark. Es kommt zum epileptischen Anfall. Wichtig zu wissen ist: Eine Epilepsie ist keine geistige Behinderung und auch keine psychische Erkrankung. Zwischen den Anfällen funktioniert das Gehirn in der Regel ganz normal.
Viele Menschen denken bei Epilepsie sofort an den „großen Anfall“ mit Bewusstlosigkeit und Muskelzuckungen am ganzen Körper. Das ist jedoch nur eine Form. Epileptische Anfälle können sehr unterschiedlich aussehen, je nachdem, an welcher Stelle im Gehirn das „Gewitter“ stattfindet:
- Der große Anfall: Verkrampfung der Muskeln, Zuckungen und kurzzeitiger Bewusstseinsverlust.
- Der kleine Aussetzer («Absenz»): Der Betroffene wirkt für wenige Sekunden abwesend, unterbricht seine Tätigkeit und reagiert nicht auf Ansprache – als hätte jemand kurz die „Pause-Taste“ gedrückt.
- Fokale Anfälle: Diese betreffen nur einen kleinen Teil des Gehirns. Das kann sich durch ein Zucken in nur einem Arm, Kribbeln, seltsame Geruchswahrnehmungen oder ein plötzliches Déjà-vu-Gefühl äußern.
Was der Neurologe/die Neurologin für Sie tun kann
Wenn Sie oder Angehörige den Verdacht auf einen Anfall haben, z. B. bei einem Bewusstseinsverlust, ist eine genaue Abklärung wichtig. Unsere Aufgabe ist es zunächst, herauszufinden, ob es sich tatsächlich um Epilepsie handelt oder ob andere Ursachen (z. B. Kreislaufprobleme) vorliegen.
- Diagnose: Im Zentrum steht das Gespräch über den Anfallshergang. Ergänzend nutzen wir die Hirnstrommessung (EEG) und meist eine Bildgebung des Kopfes (MRI), um der Ursache auf den Grund zu gehen.
- Therapie: Die gute Nachricht ist: Epilepsie ist heute sehr gut behandelbar. Mit modernen Medikamenten gelingt es uns bei den allermeisten Patienten, die elektrische Reizschwelle im Gehirn so zu stabilisieren, dass keine Anfälle mehr auftreten. Unser Ziel ist es, Ihnen ein uneingeschränktes privates und berufliches Leben zu ermöglichen.