Unser Körper ist ein Meister der Präzision. Jede Bewegung – vom Greifen einer Kaffeetasse bis zum Gehen – wird durch ein fein abgestimmtes Zusammenspiel von Nervensignalen gesteuert. Bei Bewegungsstörungen, wie zum Beispiel dem Morbus Parkinson, ist diese präzise koordinierte Steuerung im Gehirn beeinträchtigt. Die genauen Anweisungen des Gehirns für die Ausführung der Funktionen des Körpers sind fehlerhaft, das Resultat ist eine verzerrte, falsche Bewegung: Die Bewegungen fehlen oder überschiessen, sind unpräzis, unkoordiniert, zu langsam oder zu klein, zu rasch oder zu ausfahrend. Es gibt sehr viele verschiedene Erkrankungen des Gehirns, die zu ganz verschiedenen Bewegungsstörungen führen. Häufige Bewegungsstörungen sind:

  • Das Parkinson-Syndrom: Das Hauptsymptom ist eine unwillkürliche Langsamkeit der Bewegungen, ein Fehlen automatischer Bewegungen wie der Mimik oder des Mitschwingens der Arme beim Gehen. Weitere Symptome bei Parkinson sind ein erhöhter Muskeltonus («Rigor»), was manchmal schmerzhaft sein kann, ein kleinschrittiger Gang, eine gebeugte Haltung und oft, aber nicht immer ein Zittern (Tremor) in Ruhe.
  • Der Tremor (Zittern): Ein Zittern kann nicht nur bei der Parkinson-Krankheit auftreten, andere Arten von Tremor sind sogar viel häufiger. Bei Parkinson ist das Zittern in Ruhe typisch. Es gibt aber auch Tremores, die v. a. bei Aktivität auftreten und dann z. B. beim Schreiben oder Essen stören. Es gibt viele Arten von Zittern, die von der Fachperson der richtigen Diagnose und Behandlung zugeordnet werden muss.
  • Die Dystonie: Bei der Dystonie ist die automatische Anspannung der Muskeln in ein Ungleichgewicht gekommen. Zur Ausführung einfacher Bewegungen muss das Gehirn die Aktivierung zahlreicher Muskeln genau koordinieren, damit eine präzise Bewegung resultiert. Bei der Dystonie ist diese exakte Ansteuerung der Muskeln nicht mehr im Gleichgewicht; es ist, als würde an den Fäden einer Marionette falsch gezogen. Auch bei der Dystonie gibt es viele verschiedene Formen, die unterschiedlich behandelt werden.
  • Die Ataxie: Bei der Ataxie ist die eigentliche Steuerung des Bewegungsprogramms gestört. Obschon die Kraft und Muskelanspannung normal bleiben, können keine präzisen Bewegungen mehr ausgeführt werden. Ataxien führen zu ungeordneten Bewegungen, z. B. zu einer Gangstörung.
  • Tics: Tics sind plötzliche unwillkürliche Bewegungen, die kurz zum Teil unterdrückt werden können. Tics sind Störungen der Bewegungskontrolle und nicht eine psychische Krankheit. Tics können nur die Bewegungen betreffen, aber auch die Stimme, was dann zu ungewollten Lautäusserungen führen kann. Tics können ganz wechselnd ausgeprägt sein, sind bei Kindern häufig und können behandelt werden.
  • Chorea: Bei der Bewegungsstörung, die man Chorea nennt, kommt es zu ausfahrenden unwillkürlichen Bewegungen. Am bekanntesten ist die Huntington-Krankheit, aber es gibt viele andere Formen der Chorea, die vom Neurologen abgeklärt und behandelt werden müssen.

Diese Liste von Bewegungsstörungen ist unvollständig, die Ursachen sehr vielfältig und manchmal sind Bewegungsstörungen vergesellschaftet mit anderen Symptomen, die Stimmung, Denken und Verhalten mitbetreffen. Die richtige Zuordnung der Symptome durch Experten ist daher Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung.

Was der Neurologe/die Neurologin für Sie tun kann

Die korrekte Diagnose, um welche Bewegungsstörung es sich denn handelt, ist entscheidend. Eine rasche Diagnose ist die Grundlage für eine erfolgreiche Therapie, sei es durch Medikamente, Physiotherapie, Hilfsmittel oder sogar eine Operation (z. B. Tiefe Hirnstimulation). Besonders bei der Parkinson-Krankheit stehen heute sehr viele wirksame Therapien zur Verfügung, die aber sorgfältig ausgewählt und oft in ausgewogener Kombination eingesetzt werden müssen.
Dies und die oft jahrelange, ja lebenslange ärztliche Begleitung ist die Aufgabe Ihres Neurologen, Ihrer Neurologin, auch die Zusammenarbeit mit anderen Fachpersonen (Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Neuropsychologie, Psychiatrie), die bei der interdisziplinären Behandlung von Bewegungsstörungen nicht fehlen dürfen.